4 Pferde verenden in Wermelskirchen an der atypischen Weidemyoglobinurie

02.11.2009

Am vergangenen Wochenende sind in Wermelskirchen 4 Pferde an der atypischen Weidemyoglobinurie (auch Weidemyopathie genannt) verendet.

Das erste Pferd erkrankte am Freitag mit kolikartigen Symptomen und Festliegen. Da es außerdem einen Darmverschluß hatte und literweise Darminhalt in den Magen zurückgeflossen war, wurde es euthanasiert.

Am Samstag erkrankte eine tragende Ponystute derselben Herde. Die gesamte Herde war zwischenzeitlich auf eine andere Weide bzw. in den Stall verbracht worden. Die Ponystute zeigte einen steifen Gang, legte sich ständig hin und litt offensichtlich unter Schmerzen. Trotz intensiver Therapie verschlechterte sich Ihr Zustand rapide, sie fing stark an zu schwitzen und verendete kurz darauf.

Am Sonntagmorgen wurden 2 weitere Pferde aus derselben Herde festliegend aufgefunden. Eins der Pferde konnte noch aufstehen, konnte dann aber nicht laufen, zitterte und war geschwitzt, das andere kam nur noch bis in Brustlage.

Beide Pferde zeigten- ebenso wie auch die Ponystute- einen guten Appetit, was für diese Erkrankung typisch ist. Eine Blutuntersuchung zeigte bei beiden Pferden, dass die Muskulatur stark geschädigt war, außerdem setzten beide Pferde schwarzen Harn (Myoglobinurie) ab.

Aufgrund der schlechten Prognose und der mit dieser Erkrankung verbundenen starken Schmerzen wurden auch diese beiden Pferde euthanasiert. Ein fünftes Pferd aus derselben Herde ist gesund.

Alle gezeigten Fotos zeigen lebende Pferde, die aber zum Teil komatös mit geschlossenen Augen festliegen.

Atypische Weidemyoglobinurie der Pferde

Die atypische Weidemyoglobinurie ist eine Erkrankung der Muskulatur des Pferdes, bei der es zur Zerstörung der Muskeln (Rhabdomyolyse) kommt, ähnlich wie beim Kreuzverschlag. Der Unterschied zum Kreuzverschlag ist aber, dass diese Erkrankung ohne vorherige Anstrengung /Bewegung auftritt.

Die Erkrankung wurde in England erstmals 1984, in Deutschland erstmals im Herbst 1995 beschrieben, hier starben damals über 100 Pferde. Auch in diesem Herbst gibt es aktuelle Verdachtsfälle in NRW und Niedersachsen.

Die Ursache der atypischen Weidemyoglobinurie ist nach wie vor ungeklärt. Vermutet wird, dass es sich um ein Toxin (Giftstoff) handelt, der unter bestimmten klimatischen Bedingungen auf der Weide freigesetzt und dann vom Pferd aufgenommen oder aber erst im Pferd freigesetzt wird.

Fest steht bisher, dass nur Weidepferde betroffen sind, und die Erkrankung gehäuft im Herbst und Winter, vor allem nach Frost auftritt.

Die Symptome sind unspezifisch, es können Einzeltiere oder mehrere Pferde einer Herde erkranken. Die Tiere zeigen plötzlich einen steifen Gang, Muskelzittern und einen dunkel verfärbten Urin. Die Tiere sind apathisch, zeigen manchmal Koliksymptome, schwitzen und haben oft eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz. Der Krankheitsverlauf ist sehr rasant, so dass die Pferde bald zum Festliegen kommen.

Typisch für diese Erkrankung ist, dass der Appetit der Pferde erhalten ist, so dass sie im Liegen noch fressen.

Die Diagnose wird durch die Symptome und eine Blutuntersuchung gestellt. Hierbei sind die Muskelenzyme, vor allem die Creatininkinase stark erhöht, Calcium ist in der Regel erniedrigt. Eine Therapie kann symptomatisch versucht werden mit Flüssigkeitsersatz, Schmerzmitteln und Antibiotika. Wenn das Pferd noch laufen kann, sollte es in einen trockenen Stall gebracht werden, hierbei jedoch so wenig wie möglich bewegt werden.

Die Prognose ist schlecht, die Sterblichkeitsrate liegt bei 90 – 95 %, und die Tiere leiden offensichtlich, so dass man sich häufig zur Euthanasie des Pferdes entschließen wird. Die Weiden, auf denen Tiere betroffen sind, sollten langfristig gesperrt werden. Vorbeugung:

  • Pferde nachts aufstallen
  • Weidepferden im Herbst/Winter ausreichend trockenes Heu zufüttern
  • Ein trockener Unterstand sollte vorhanden sein
  • Weidehygiene: Beseitigung aller Schädligspflanzen
  • Weiden mit erkrankten Pferden langfristig sperren
  • Zufüttern eines vitaminisierten Mineralfutters, v.a. Vit. E und Selen zum Muskelschutz

 

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